{"id":401,"date":"2017-01-11T12:21:59","date_gmt":"2017-01-11T11:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=401"},"modified":"2017-01-11T12:22:18","modified_gmt":"2017-01-11T11:22:18","slug":"kirche-ist-mehr-als-legoland-pfingsten-2002-zu-roem-81-14","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=401","title":{"rendered":"Kirche ist mehr als Legoland (Pfingsten 2002 zu R\u00f6m 8,1-14)"},"content":{"rendered":"<p>Pfingsten: Der erste Baustein der Kirche. Der Geburtstag der Kirche. Doch: Kirche bauen, das ist nicht ganz so einfach: Im bayrischen G\u00fcnzburg ist am Donnerstag das deutsche Legoland er\u00f6ffnet worden. Nat\u00fcrlich gibt\u2019s auch Kirchen zu bewundern, detailgetreu nachgebaut aus den kleinen Legosteinen.<!--more--><\/p>\n<p>Den eifrigen Modellbauern sind die Kirchen am schwersten gefallen. Eine Kirche bauen ist nicht so einfach: 1,4 Mill. Steine verbauten sie f\u00fcr den Berliner Dom. \u00dcber 1.800 Stunden wurden investiert. Die anderen Geb\u00e4ude rundum, das Brandenburger Tor oder der Reichtag, machte den Lego-Designern weniger Schwierigkeiten:<\/p>\n<p>\u201eKirchen haben viel mehr architektonische Besonderheiten und Feinheiten\u201c, st\u00f6hnten sie. Teilweise konnten die Details nicht mit den handels\u00fcblichen Legosteinen nachgebaut werden.<\/p>\n<p>Kirche bauen ist nicht so einfach. Zum Gl\u00fcck m\u00fcssen die Handwerker, die nach den Konfirmationen hier beim PGH anger\u00fcckt sind, nur streichen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche bauen ist nicht so einfach. \u2013 Wenn wir mal vom Handwerklichen zum Theologischen kommen, vom Geb\u00e4ude \u201eKirche\u201c zur Kirche als Gemeinschaft von Br\u00fcdern und Schwestern \u2013 dann verh\u00e4lt es sich nicht anders:<\/p>\n<p>Da besteht die Kirche aus mindestens ebenso vielen kleinen Steinchen wie der Berliner Dom im Legoland:<\/p>\n<p>Viele H\u00e4nde helfen hier mit, dass an diesem Ort \u201eKirche\u201c stattfindet: Gottesdienste, Krabbelgruppe, Chor.<\/p>\n<p>Viele Herzen h\u00e4ngen an diesem Kirchraum, aber sicher noch mehr an den Menschen, die man hier trifft: die anderen Frauenhilfsfrauen. Die anderen Konfis. Die anderen Hauptamtlichen &#8230;<\/p>\n<p>Und viel Kopfzerbrechen treibt die umher, ja gerade die, die oft hier sind und aktiv mitmachen. Denn: Kirche bauen ist gar nicht so einfach: Wie kommen Alte mit Jungen aus? Wie sollen die Gottesdienste aussehen, wo Lebensthemen, Musikgeschmack, Glaube so unterschiedlich ausgepr\u00e4gt sind? Welche Themen sollen auf\u2019s Taublau? Soll\u2019s frommer zugehen oder sozialkritischer? Oder sind das die falschen Alternativen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Und das Geburtstagsgeschenk \u2013 das machen wir uns nicht selber, das macht uns auch kein anderer Mensch, sondern das macht uns allein Gott: Gott baut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die Frage an Pfingsten lautet weniger: Wie schwer ist es, in de Legosteinen den Berliner Dom nachzubauen?<\/p>\n<p>Sondern: Wie baut Gott seine Kirche? Und welche Rolle spielen wir?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich lese Verse aus dem 8. Kapitel des R\u00f6merbriefes:<\/p>\n<p><em>14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.<\/em><\/p>\n<p><em>15 Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, da\u00df ihr euch abermals f\u00fcrchten m\u00fc\u00dftet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! [a]<\/em><\/p>\n<p><em>16 Der [a] Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, da\u00df wir Gottes Kinder sind.<\/em><\/p>\n<p><em>17 Sind wir aber [a] Kinder, so sind wir auch [b] Erben, n\u00e4mlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie baut Gott seine Kirche? Und welche Rolle spielen wir?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p><strong>Gott baut seine Kirche, indem er seinen Geist aussendet.<\/strong><\/p>\n<p>Damals erreicht er die J\u00fcngern Jesu, die traurig, orientierungslos durch die Welt stolperten, nachdem Jesus zum Himmel aufgefahren war. Damals bl\u00e4st Gott diesen ersten Christen frischen Wind in die Segel: Sie beginnen zu predigen dar\u00fcber, was Gott ihnen Gutes getan hat durch Jesu. Und sie werden verstanden. Sprachbarrieren gibt es nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Geist Gottes beginnt, seine Kirche zu bauen.<\/p>\n<p>Gott selber baut Kirche durch seinen Geist.<\/p>\n<p>Nicht der Mensch. Gott!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man das bedenkt:<\/p>\n<p>Was steckt darin f\u00fcr Erleichterung: Gott baut, wo wir uns oft abm\u00fchen, hier, eine gute Gemeinde Jesu Christi zu sein, einladend, offen, aber oft genug am Rande ihrer Kraft.<\/p>\n<p>Was steckt darin f\u00fcr eine gro\u00dfe Provokation: Gott baut, wo uns oft genug gesagt wird, Verordnungen, Kirchengesetze, gut gemeinte Reformvorlagen machten Kirche aus.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich: Was steckt darin auch f\u00fcr eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr uns: Gott baut. Also m\u00fcssen wir uns um nichts k\u00fcmmern. So kann das wohl nicht meint sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, besonders, liebe Tauffamilien,<\/p>\n<p>wir haben heute zwei Kinder getauft. Sie geh\u00f6ren von nun an zur Gemeinde Jesu Christi. Sie setzen die Reihe derjenigen Menschen fort, von denen die Bibel: Sie hat der Geist Gottes ergriffen.<\/p>\n<p>Viele Gaben, so beschreibt Paulus an anderer Stelle die Gemeinde. Aber: ein Geist.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr uns oft eine Wunschvorstellung ist \u2013 alle Begabungen unserer Gemeinde unter einen Hut zu bekommen -, das ist bei Gott m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Gott baut seine Kirche, indem er uns zu Gottes Kindern macht.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Es wundert nicht, dass Paulus die Menschen, die vom Geist Gottes bewegt sind, Gottes <em>Kinder <\/em>nennt.<\/p>\n<p>Denn Vorbild f\u00fcr den Glauben an Jesus Christus: das sind die Kinder und die, die glauben wie die Kinder.<\/p>\n<p>Im sog. Kinderevangelium haben wir es vor dem Taufen geh\u00f6rt: Das Himmelreich geh\u00f6rt den Kindern, weil sie bedingungslos nach Liebe schreien, weil sie sich ihrem Vater und ihrer Mutter bedingungslos anvertrauen: die Hand ausstrecken, ganz selbstverst\u00e4ndlich, und ohne die Hintergedanken, die wir Erwachsenen dabei haben. Die ihr Angewiesensein auf Liebe, Nahrung, Zuwendung einfach herausbr\u00fcllen \u2013 und sich f\u00fcr ihre Gef\u00fchle noch nicht sch\u00e4men.<\/p>\n<p>\u201eDu bist ein Kind Gottes\u201c haben wir Sophie und Lion Sebastian zugesprochen. Und Paulus schreibt: Wir sind alle Kinder Gottes.<\/p>\n<p>Wie h\u00f6ren wir Erwachsene das: \u201eDu bist ein Kind Gottes?\u201c<\/p>\n<p>Ist uns die Tragweite dieses Satzes wirklich bewusst? \u2013 Wenn wir Kinder Gottes sind &#8230; dann ist Jesus unser Bruder: keine Heiligenfigur f\u00fcr den Altarraum, sondern unser Mitmensch, der mit uns durchs Leben geht: unser Weggef\u00e4hrte.<\/p>\n<p>Und Gott: Wenn wir Kinder Gottes sind, ist er unser Vater. Kein Gott, der weit weg ist, der irgendwo am Himmel thront. Der sich von den Menschen abgewandt hat. Nein, dieser Gott will uns nahe sein. Er will eine Beziehung mit uns, eine ganz enge: Er ist nicht abgewandt, er ist mit uns verwandt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So haben wir \u201eeinen kindlichen Geist empfangen\u201c, schreibt Paulus: Der kindliche Geist setzt uns in Beziehung zu Gott. Das macht uns frei von Zw\u00e4ngen dieser Welt, das tr\u00f6stet uns in unserem Dasein. Das gibt uns Raum zu tr\u00e4umen, wie es Kinder tun:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Umland von Budapest gibt es eine Touristenattraktion: Eine Bergbahn wird einzig und allein von Kindern betrieben. Der 8-j\u00e4hrige Bahnhofsw\u00e4rter legt das Signal um und pfeift den Zug an. Der 9-j\u00e4hrige knippst fachm\u00e4nnisch die Fahrkarten ab. Im Verlauf der Strecke tritt ein M\u00e4dchen am Durchfahrtbahnhof gr\u00fc\u00dfend aus ihrer Station hervor. \u2013 Wer\u2019s erlebt hat, hat in leuchtende Kinderaugen gesehen, f\u00fcr die sich f\u00fcr einige Ferientage der Traum vom Lokomotivf\u00fchrer erf\u00fcllt hat. Bel\u00e4cheln wir nicht diesen Geist, diesen kindlichen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den entsprechend gegenteiligen Geist, den Paulus den knechtische Geist nennt, kennen wir zu gut: Er weht dort, wo wir meinen, nicht wie die Kinder Gott vertrauen zu m\u00fcssen. Wo wir zu Knechten und M\u00e4gden anderer werden: von politischen Ideologien, gesellschaftlichen Zw\u00e4ngen, anderen Menschen. An Pfingsten frage ich mich: Was f\u00fcr ein Geist weht inzwischen im weltoffenen Europa, wo in fast jedem Land eine ausl\u00e4nderfeindliche rechte Partei mitregieren darf, wie nun auch in den Niederlanden? \u2013 Wo ordnen wir uns vorschnell Meinungen unter, ohne zu fragen, wessen Geist sie entstammen?<\/p>\n<p>All das macht uns unfrei, unbeweglich, unf\u00e4hig, zu tr\u00e4umen, unf\u00e4hig be-geistert zu sein. &#8211; Paradoxerweise ist die einzige Freiheit dieser Welt die Bindung an Gott: sich wie ein Kind ihm anvertrauen, hilfesuchend die Hand ausstrecken. Und dann getr\u00f6stet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Gott baut seine Kirche, indem er uns zu Erben macht. <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wir erben die Erfahrung der ersten J\u00fcnger: Ihnen ist Gott in Jesus ganz nahe gekommen. Wir erben die Erfahrung der Apostel von Pfingsten: Gott schickte ihnen den Geist, der sie aufr\u00fcttelte, ermunterte, als sie traurig waren, weil Jesus nicht mehr unter ihnen war. Und wir stehen dank des Geistes in dieser lebendigen Geschichte Gottes mit den Menschen und bleiben mit Christus verbunden.<\/p>\n<p>Dieses Erbe k\u00f6nnen wir weitergeben: uns untereinander, um uns gegenseitig zu st\u00e4rken. Pfingsten ruft uns auf, einander Mut zuzusprechen.<\/p>\n<p>Auch die Kinder, die wir getauft haben und die auch Kinder Gottes geworden sind, sollen zu tapferen und starken Menschen gemacht werden.<\/p>\n<p>Insofern bauen wir sicher mit, wenn Gott seine Kirche baut. Als Erben sind wir mitverantwortlich: sollen reden \u00fcber Gottes Liebe, handeln, wie Jesus es vorgemacht hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber in allen Versuchen, selber an der Kirche zu bauen \u2013 und sei es nun die echte oder die Kirche aus Legosteinen, sollen wir die einmalige Ausgangslage nicht vergessen: Baumeister ist Gott, der Eckstein ist Christus. <em>Das<\/em> ist Gottes Geschenk zum Geburtstag der Kirche.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingsten: Der erste Baustein der Kirche. Der Geburtstag der Kirche. Doch: Kirche bauen, das ist nicht ganz so einfach: Im bayrischen G\u00fcnzburg ist am Donnerstag das deutsche Legoland er\u00f6ffnet worden. 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