{"id":398,"date":"2017-01-11T12:19:16","date_gmt":"2017-01-11T11:19:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=398"},"modified":"2017-01-11T12:19:35","modified_gmt":"2017-01-11T11:19:35","slug":"ins-halleluja-einstimmen-ostern-2002-zu-1kor-1520-28","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=398","title":{"rendered":"Ins Halleluja einstimmen (Ostern 2002 zu 1Kor 15,20-28)"},"content":{"rendered":"<p>Woran denken Sie an Ostern? Ferien? Cholesterin? Auferstehung Jesu? Langeweile mit der Familie? Nur 15% haben auf der Homepage der Evangelischen Kirche in Deutschland f\u00fcr \u201eFerien\u201c abgestimmt.<!--more--> &#8211; Ich unterstelle Ihnen einmal, dass Sie eher zu den 75% der Leute geh\u00f6ren, die sich f\u00fcr \u201eAuferstehung Jesu\u201c entschieden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist doch eine einfache Frage, eine klare Sache! Zumindest f\u00fcr die Kirchen-Insider: Ostern feiern wir den Sieg des Lebens \u00fcber den Tod. Was denn sonst? Cholesterin-Schock und Langeweile mit der Familie sind auch \u00f6sterliche Realit\u00e4ten, aber eben Marginalien. Das eigentliche Ereignis: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.<\/p>\n<p>Nach sieben Wochen ohne \u2013 ohne was auch immer -, kann es uns frei \u00fcber die Lippen kommen, wie wir es gerade gesungen haben: \u201eEr ist erstanden, Halleluja, freut Euch und singet Halleluja\u201c.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen einstimmen in die Worte des Paulus, der triumphiert wie ein Sieger in einem Wettstreit: \u201eTod wo ist Dein Sieg? Tod, wo ist Dein Stachel?\u201c \u2013 Ich stelle mir diesen Satz nicht nur in seinem Brief an die Korinther vor \u2013 nein, f\u00fcr Paulus ist das ein Lebensmotto gewesen, das er geradezu herausposaunt hat: von Kanzeln, auf Marktpl\u00e4tzen. Provozierend, Position einnehmend: \u201eTod, wo ist Dein Sieg? Tod, wo ist Dein Stachel?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir guten Gewissens einstimmen?<\/p>\n<p>Selbst wenn wir an Ostern ohne gr\u00f6\u00dferes Z\u00f6gern \u201eAuferstehung Jesu\u201c ankreuzen w\u00fcrden: G\u00e4be es da nicht auch geh\u00f6rige Zweifel?<\/p>\n<p>&#8211; Vorgestern noch Karfreitag \u2013 heute wie auf Knopfdruck Osterfreude?<\/p>\n<p>&#8211; Gestern noch die Bilder aus Israel und Pal\u00e4stina im Fernsehen gesehen \u2013 heute in Gebet und Gesang dem Tode trotzen, ja gar dem Tod seinen eigenen Tod proklamieren?<\/p>\n<p>&#8211; Hier sind wir ein kleines H\u00e4uflein, ein gr\u00f6\u00dferes als die Sonntage zuvor, aber dennoch ein kleines im Vergleich zu den Menschen, die sich heute <em>nicht<\/em> der Freude verschrieben haben:<\/p>\n<p>&#8211; die einen, weil sie resigniert haben, aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit: \u201eDie Verh\u00e4ltnisse sind eben so\u201c, h\u00f6re ich einen sagen.<\/p>\n<p>&#8211; die anderen, weil sie allenfalls leise l\u00e4cheln, wenn ich von meiner Osterfreude spreche, weil sie krank und schwach sind, das Leben langsam von ihnen weicht.<\/p>\n<p>&#8211; wieder andere, die selbst Ostern nicht zur Ruhe kommen aufgrund ihrer Betriebsamkeit und \u00dcberlastung.<\/p>\n<p>&#8211; Auch unter uns sitzen Menschen, die mit Sicherheit \u201eJesu Auferstehung\u201c ankreuzen auf dem Werbeplakat, aber denen dennoch nicht so einfach die Osterfreude \u00fcber die Lippen kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist unser Vorhanden, Halleluja zu singen, angesichts der harten Realit\u00e4ten unserer Welt nicht <em>absurd<\/em>? \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es <em>ist<\/em> absurd. Aber ich stelle die Gegenfrage: W\u00e4re es nicht viel absurder, wenn wir es nicht t\u00e4ten? &#8211; W\u00e4re es nicht viel absurder, wenn wir es Gott nicht mehr zutrauen w\u00fcrden, dass er diese Welt errettet? Dass er mich pers\u00f6nlich nicht preisgibt, egal wie es mir hier auf Erden ergeht? \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meinem Krankenhauspraktikum habe ich eine todkranke Frau besucht. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass sie Angst haben w\u00fcrde vor ihrem baldigen Tod. Ein mulmiges Gef\u00fchl f\u00fcr mich. Wie k\u00f6nnte ich sie tr\u00f6sten? \u2013 Es kam ganz anders, absurderweise: Sie wollte nicht in ihrer Angst getr\u00f6stet werden. Sie wollte mit mir ihre Zuversicht teilen, dass Gott sie nicht preisgibt, sie nicht allein l\u00e4sst. Selbst im Tod. Und sie sprach dankbar von ihrem Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist also absurder? Dass wir das Oster-Halleluja abschaffen aufgrund von Krankheit, Gewalt, Krieg? &#8211; Oder dass wir das &#8211; vielleicht auch ein zaghaftes \u2013 \u201eJa\u201c sagen und singen vor Gott, der dem Tod den Schrecken genommen hat? &#8211; Was h\u00e4ngt von dieser Frage ab?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>F\u00fcr Paulus ist die Auferweckung Jesu von den Toten der Grund seines Glaubens. (\u201eGrund des Glaubens\u201c im Sinne von Fundament, auf dem sein ganzes Leben steht. \u201eGrund seines Glaubens\u201c aber auch im Sinne von Anlass und Beginn: Seit der Auferstandene ihm begegnet ist, ist f\u00fcr ihn die Sache klar): \u201eIst Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich\u201c, schreibt er den Korinthern ins Stammbuch. Uns lese ich weitere Verse aus dem 15. Kapitel des 1. Korintherbriefes:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.<\/em><\/p>\n<p><em>21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.<\/em><\/p>\n<p><em>22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.<\/em><\/p>\n<p><em>23 Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angeh\u00f6ren;<\/em><\/p>\n<p><em>24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, \u00fcbergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.<\/em><\/p>\n<p><em>[25 Denn er mu\u00df herrschen, bis Gott ihm \u00bballe Feinde unter seine F\u00fc\u00dfe legt\u00ab (Psalm 110,1).]<\/em><\/p>\n<p><em>26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu mein dreifaches Werben, in das Oster-Halleluja einzustimmen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><em>Die Auferweckung Jesu ist der Schl\u00fcssel f\u00fcr <u>unsere<\/u> Zukunftshoffnung<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00fcr Paulus ist die Auferweckung Jesu ist Gottes rettendes Eingreifen in unsere Geschichte. Einst hat Gott den Menschen geschaffen zu seinem Ebenbild, ihn mit aller Freiheit ausgestattet, die der Mensch aber dazu genutzt hat, sich von Gott abzuwenden: In Gestalt dieses alten Adams kam und kommt der Tod in diese Welt \u2013 bis heute: Oder sind die Herrscher im Nahen Osten etwa \u00fcber Kain und Abel hinausgekommen, wenn sie ihre pers\u00f6nliche Feindschaft auf den R\u00fccken zweier V\u00f6lker austragen? &#8211; Der alte Adam ist zuverl\u00e4ssig gottesfern!<\/p>\n<p>Paulus schreibt: Genauso zuverl\u00e4ssig, wie durch Adam der Tod in die Welt gekommen ist, so werden durch die Auferstehung Jesu alle lebendig gemacht. ER wird der lebendige Beweis f\u00fcr unsere Zukunftshoffnung: So sicher wie er auferstanden ist, so sicher werden die Toten auferstehen \u2013 am Ende der Zeit, wenn er wiederkommt.<\/p>\n<p><em>Deshalb<\/em> h\u00e4ngt Paulus so viel am Auferstehungsglauben: Traut man Gott schon die Auferweckung seines eigenen Sohnes nicht zu &#8230; wie wird man sich das \u201eneue Jerusalem\u201c am Ende unserer Zeit ausmalen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Paulus ermuntert uns also zur Auferstehungshoffnung: Das leeren Grab hat die Welt ver\u00e4ndert. Warum sollte Gott nicht auch uns und unser Leben ver\u00e4ndern? Warum sollte gerade dann unser Leben im Tod verfangen bleiben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em> Der Auferstandene ist der Gekreuzigte, der ins Recht gesetzt wird.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Dieser Christus, von dem Paulus spricht, ist der Jesus von Nazareth. Ein Gerechter, der seine Mitmenschen annahm. Der keinem etwas B\u00f6ses tat \u2013 der Ebenbild Gottes schlechthin war. Dessen Liebe sogar so weit ging, dass er sich nicht wehrte, als er verhaftet und gefoltert wurde.<\/p>\n<p>Ein Gerechter, der sich und Gott treu blieb, bis in die Abgr\u00fcnde des menschlichen Todes hinein.<\/p>\n<p>Er hat sie durchlitten, als Mensch. Sein Tod war sinnlos, ja, ein \u00e4hnlich absurdes Szenario wie wir\u2019s heute anprangern.<\/p>\n<p><em>Dass Jesus auferstand, ist Gottes Aufstand gegen alles Leid und Unrecht dieser Welt.<\/em><\/p>\n<p>Aber gerade deshalb kann unser Halleluja und unser Auferstehungsglaube erklingen, mitten in der und in die noch nicht erl\u00f6ste Welt hinein: Gott hat es nicht bei dieser Absurdit\u00e4t des Leidens und Sterbens belassen.<\/p>\n<p>Sondern: Gott hat gegen diesen Mechanismus der Welt, den wir allzu gut kennen, seine Befreiungstat gesetzt: Er hat Jesus auferweckt vom Tod.<\/p>\n<p>Unrecht, Leid, ja selbst der Tod ist \u00fcberwunden: Damit ist (um mit Ernst Lange zu sprechen) \u201eder Tod kein Argument mehr gegen das Leben, kein Argument mehr gegen die Liebe. Ganz schlicht: Kein Argument gegen Gott.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><em>Diese ver\u00e4nderten Vorzeichen leuchten bereits in unser Leben hinein.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Paulus geht davon aus, dass die Toten erst am Ende der Welt auferstehen, dann wenn Christus wiederkommt.<\/p>\n<p>Es gibt keine Abk\u00fcrzung zur Auferstehung.<\/p>\n<p>Noch haben auch wir uns in der nicht erl\u00f6sten Welt zurecht zufinden.<\/p>\n<p>Ich will aber die Vorboten nicht \u00fcbersehen, wo bei der aufbrechenden Machtfrage zwischen Tod und Leben das Leben bereits siegt:<\/p>\n<p>&#8211; Gleich feiern wir das Abendmahl: Ein Fingerweis auf die volle Gemeinschaft mit Gott am Ende dieser Zeit. Brot und Wein als ein Vorgeschmack, wie es ist, wenn alles gerecht verteilt sein wird und jeder satt wird.<\/p>\n<p>&#8211; Ich denke schlie\u00dflich an die vielen Menschen, auch unter uns, die auch nach 2000 Jahren vom Auferstandenen bewegt sind. Die seine Sache weitertragen. Die <em>ihn<\/em> weitertragen, die dadurch Leib Christi sind, Kirche. Ohne die ver\u00e4ndernde Kraft Gottes, die in Ostern gr\u00fcndet &#8230; undenkbar!<\/p>\n<p>&#8211; Ich denke da an die Frau, die ich im Krankenhaus besuchte: Ihr Tod war nahe. Aber er bestimmte nicht ihr Leben. Sondern die Hoffnung, bei Gott geborgen zu sein, trug sie. Der Tod war <em>kein<\/em> Stachel mehr in ihrem Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>C.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, was ist nun absurder, das Oster-Halleluja auszulassen, weil es augenscheinlich nicht mehr als das kleine Apfelb\u00e4umchen ist, das ich pflanze? Oder ist das Halleluja dankbar und mutig anzustimmen, gerade <em>weil <\/em>wir und diese Welt diese Osterhoffnung so sehnlich brauchen?! &#8211;<\/p>\n<p>Wenige Jahre nach dem 30-j\u00e4hrigen Krieg (wahrlich in auch nicht einfachen Zeiten) schrieb der niederlausitzer Dichter Johann Franck:<\/p>\n<p>Trotz dem alten Drachen,<\/p>\n<p>Trotz dem Todesrachen,<\/p>\n<p>Trotz der Furcht dazu!<\/p>\n<p>Tobe, Welt, und springe;<\/p>\n<p>ich steh hier und singe<\/p>\n<p>in gar sichrer Ruh.<\/p>\n<p>Gottes Macht h\u00e4lt mich in acht,<\/p>\n<p>Erd und Abgrund mu\u00df verstummen,<\/p>\n<p>ob sie noch so brummen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woran denken Sie an Ostern? Ferien? Cholesterin? Auferstehung Jesu? Langeweile mit der Familie? 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