{"id":3790,"date":"2018-03-29T20:57:24","date_gmt":"2018-03-29T18:57:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=3790"},"modified":"2018-03-24T17:56:45","modified_gmt":"2018-03-24T16:56:45","slug":"traeume-und-visionen-50-todestag-martin-luther-king","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=3790","title":{"rendered":"Tr\u00e4ume und Visionen &#8211; 50. Todestag Martin Luther King"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. April j\u00e4hrt sich der Todestag von Martin Luther King zum 50. Mal, dem &#8222;Tr\u00e4umer&#8220; f\u00fcr eine gerechtere Welt ohne Rassendiskriminierung und Unterdr\u00fcckung.\u00a0H\u00f6ren f\u00fcr unsere Zeit genauer hin f\u00fcr unsere Visionen.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>(Andacht Leitungskonferenz Diakonie im KK Recklinghausen, Februar 2018 \/ Gr\u00fcndonnerstagsgottesdienst in Altena)<\/p>\n<p>We shall overcome: Wir werden es \u00fcberwinden. Der Gospel von 1901 wurde zum Song der US-B\u00fcrgerrechtsbewegung, als er 1963 beim \u201eMarsch auf Washington\u201c erklang: 250.000 Menschen, Schwarze und Wei\u00dfe, Christen aller Konfessionen nahmen daran teil. Friedlich. Und tief beeindruckt von der Rede Martin Luther Kings: &#8222;I have an dream&#8220;.<\/p>\n<p>Ich habe den Traum, dass endlich alle begreifen, dass die Menschen gleich geschaffen sind. Ich habe den Traum, dass Menschen nach ihren <em>Eigenschaften<\/em> beurteilt werden, nicht nach ihrer Hautfarbe. Und sich wei\u00dfe Jungen und schwarze M\u00e4dchen an den H\u00e4nden fassen &#8211; das war damals so unm\u00f6glich und unbeschreiblich weit weg wie die M\u00f6glichkeit, dass T\u00e4ler erh\u00f6ht und H\u00fcgel und Berge erniedrigt werden.<\/p>\n<p>Als junger Baptistenprediger Montgomery, Alabama, hatte Martin Luther King als Pastor eine strikte Rassentrennung erlebt: Schwarzen durfte nur im hinteren Teil der Verkehrsbusse Platz nehmen, vorne war f\u00fcr die Wei\u00dfen reserviert. Die gr\u00f6\u00dfte Dem\u00fctigung hatte darin bestanden, dass die Schwarzen ihre Pl\u00e4tze freimachen mussten, wenn die Sitze f\u00fcr die Wei\u00dfen nicht ausreichten. Die N\u00e4herin Rosa Parks weigerte sich, ihren Sitzplatz f\u00fcr einen wei\u00dfen Fahrgast zu r\u00e4umen &#8211; und wurde verhaftet. Es war zu erheblichen Unruhen gekommen. In einer mitrei\u00dfenden Rede forderte Martin Luther King die schwarze Gemeinde zu einem monatelangen Bus-Boykott.<\/p>\n<p>Gewalt kam nicht in Frage: &#8222;Wenn wir Frieden erklingen lassen&#8220; &#8211; &#8222;dann sind wir frei&#8220;, endet die &#8222;I have a dream&#8220;-Rede: Martin Luther King war \u00fcberzeugt davon, dass Gewalt mit Gewaltlosigkeit begegnet werden muss. Mahatma Gandhi war sein gro\u00dfes Vorbild. Er \u00fcbte mit seinen Gemeindegliedern Gewaltfreiheit, die sich in den Stra\u00dfenprotesten erweisen musste, wenn die Polizisten auf die Schwarzen einpr\u00fcgelten.<\/p>\n<p>V\u00f6llige Gewaltlosigkeit war in der schwarzen Bev\u00f6lkerung nicht unumstritten. King sei ein verr\u00fcckter Tr\u00e4umer. M\u00f6glicherweise dadurch aufgestachelt, stie\u00df eine verwirrte Frau Martin Luther King einen Brief\u00f6ffner in die Brust (1958). Die Klinge verfehlte die Herzarterie um Haaresbreite und nur durch eine sofortige Notoperation konnte sein Leben gerettet werden. Die New York Times berichtete am n\u00e4chsten Tag, er w\u00e4re gestorben, wenn er nur geniest h\u00e4tte. Ein 9j\u00e4hriges M\u00e4dchen schrieb:<\/p>\n<p>\u00bbLieber Dr. King! Ich bin eine Sch\u00fclerin der 9.. Es sollte zwar keine Rolle spielen, aber ich m\u00f6chte doch erw\u00e4hnen: ich bin ein wei\u00dfes M\u00e4dchen. In der Zeitung las ich von Ihrem Leiden. Ich las auch, dass Sie gestorben w\u00e4ren, wenn Sie h\u00e4tten niesen m\u00fcssen. Ich schreibe Ihnen ganz einfach deswegen, weil ich Ihnen sagen m\u00f6chte: Ich bin so gl\u00fccklich, dass Sie nicht niesen mussten.&#8220;<\/p>\n<p>I have a dream: dieses M\u00e4dchen hatte schon verstanden und hatte &#8222;\u00fcberwunden&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Martin Luther King lebte aus einer klaren Theologie: Wahrheit und Liebe als Triebfeder. Er nannte sie die m\u00e4chtigsten Waffen der Welt. Befreiung &#8211; bis ins Politische hinein: Endlich frei werden! &#8211; Er stand f\u00fcr eine Kirche, die Stimme derer ist, die keine Stimme haben. F\u00fcr die Unerh\u00f6rten solle sie sprechen. Wenn die Kirche hier versage, sei sie nicht mehr die Kirche Jesu Christi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die biblischen Zukunftsbilder, die dazu geh\u00f6ren: der Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in \u00c4gypten. Die mutige Rede der Propheten, die das Volk Israel aber immer wieder an Gottes Gerechtigkeit erinnern und gegen alles Leid und alles Unrecht die Visionen eines neuen Himmels und einer neuen Erde aufrecht halten &#8211; etwa Jesaja: Er verhei\u00dft, dass Gott die Verh\u00e4ltnisse umkehrt, so wie die T\u00e4ler erh\u00f6ht und die Berge erniedrigt werden. Beim neuen Himmel und der neuen Erde sind alle Tod bringenden Gegens\u00e4tze ein f\u00fcr alle Mal \u00fcberwunden: Wolf und Lamm weiden auf einer Weide (Jesaja). Ein neues Jerusalem schwebt vom Himmel herab: in den alten Gassen trocknet Gott allen Menschen die Tr\u00e4nen. Selbst der Tod wird nicht mehr sein (Apk 21).<\/p>\n<p>Bei Jesus ist es die Rede vom Reich Gottes, von einer Welt, wie Gott sie will. Und diese Welt ist schon mitten unter uns. Er erz\u00e4hlt davon in Gleichnissen. Er redet und handelt danach. Es bleibt f\u00fcr mich das absolute Faszinosum des christlichen Glaubens, dass Gott in einem Menschen, in Jesus Christus, diese neue Welt aufscheinen l\u00e4sst. Bei allen Zweifeln an der Welt und den Abgr\u00fcnden des Menschen: Gottes neue Welt bleibt nicht spekulativ! Jesus, der Christus, <em>hat<\/em> bereits erf\u00fcllt, was noch unsere Tr\u00e4ume sind: dass sich alle &#8222;Kinder Gottes, Schwarze und Wei\u00dfe, Juden und Heiden, Protestanten und Katholiken&#8220; &#8211; ich erg\u00e4nze: &#8211; behinderte und nichtbehinderte, Arbeitssuchende und Arbeitfindende, Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Frauen und M\u00e4nner &#8211; dass alle Kinder Gottes sich bei den H\u00e4nden fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das ist ein Traum. Sicher naiv. Aber gleichsam so befreiend einfach. So zielf\u00fchrend. Aber heute genauso legitimationsbed\u00fcrftig, weil nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Wo sind und was sind unsere Zukunftsbilder? F\u00fcr unsere gemeinsame Arbeit? Aber auch f\u00fcr uns pers\u00f6nlich? Woran halten wir uns, wenn es existentiell wird? (Im Heidelberger Katechismus der Reformierten hei\u00dft die erste Frage: &#8222;Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?&#8220;) Wof\u00fcr setzen wir unsere Lebenszeit ein? Was wird uns zum Lebensthema?<\/p>\n<p>Das hat jede und jeder f\u00fcr sich zu kl\u00e4ren. Es wird nicht jeder ein Martin Luther King werden; es braucht auch immer einen Kairos. Aber es braucht auch eine Empfindsamkeit und eine Ansprechbarkeit f\u00fcr Visionen und Tr\u00e4ume! Es braucht die Zeiten, Tr\u00e4ume zu entwickeln und der Mut, sie mit anderen zu teilen &#8211; das ist doch dran!<\/p>\n<p>Andersherum gesagt: Ich lasse mir nicht absprechen zu tr\u00e4umen &#8211; als ob es eben eine rationalistische Zeit w\u00e4re, eine digitalen Epoche, die allein im Hier und Jetzt kreiste, dass jetzt keine gro\u00dfen Entw\u00fcrfe dran w\u00e4ren, sondern Realpolitik. Oder dass &#8222;Tr\u00e4ume&#8220; heute eben zu austauschbare Lappalien verkommen d\u00fcrften (&#8222;Es schon immer mein Traum war, bei diesem Verein zu spielen &#8230;&#8220;)<\/p>\n<p>Nein! Wir lernen in unseren Arbeitsfelder eine Menge \u00fcber die Zukunftsaussichten unsere Klienten &#8211; aber dadurch auch <em>von<\/em> unseren Klienten und ihren Tr\u00e4umen: Eine eigene Wohnung. Endlich wieder Arbeit. Erst einmal Deutschlernen. Im Alter sein und &#8211; anders &#8211; werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Halten wir Tr\u00e4ume fest! Gerade wenn sie an den Realit\u00e4ten platzen!<\/p>\n<p>Eugen Eckert, Liedermacher und Pfarrer aus Frankfurt, war zu Anfang seines Berufslebens Sozialarbeiter in einer Jugendhilfeeinrichtung. Er begleitete lange einen Jugendlichen, der suizidgef\u00e4hrdet war.<\/p>\n<p>Lebenstr\u00e4ume miteinander leben, Freiheitsr\u00e4ume zusammen entdecken, liebevolle Menschenfreundlichkeit f\u00fcrs eigene Leben mitnehmen &#8211; das alles hat alles nicht verhindert, dass sich dieser Junge schlie\u00dflich das Leben nahm.<\/p>\n<p>Eugen Eckert hat zur Beerdigung das nun folgende Lied geschrieben: &#8222;Halte deine Tr\u00e4ume fest. Lerne sie zu leben.&#8220; Er hat es wohl geschrieben, damit alle, die dabei waren, bei ihren Tr\u00e4umen blieben. Oder sie finden, wie man ein Lebensthema finden kann, auch aus einer schwierigen Lebenserfahrung, wie es Martin Luther King ja auch war.<\/p>\n<p>Dieses Lied ist f\u00fcr mich mehr als ein Beerdigungslied: Es handelt davon, sich nicht beirren zu lassen. Sich nichts ausreden zu lassen. An Werten und Wertvollem festzuhalten. In der Hoffnung zu bleiben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong>Lied: Halte deine Tr\u00e4ume fest<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. April j\u00e4hrt sich der Todestag von Martin Luther King zum 50. 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